| Therapieprogramm
bei Essstörungen
Magersucht
Nach Möglichkeit sollte ein ambulantes Vorgespräch stattfinden,
bei dem die Therapiebedingungen, die Unterstützungs-angebote,
das Zielgewicht und andere wichtige Grundlagen besprochen werden,
so dass die Betroffenen im Vorfeld schon „Ja" zu der
Therapie sagen können.
Bei einem sehr niedrigen Gewicht (BMI unter 16 kg/m2) steht zu
Beginn der Behandlung ein Zunehmen in den gesunden Bereich hinein
im Vordergrund. Dies empfinden die Betroffenen zunächst oft
„schrecklich", da sie in ihrer „Mager-Identität"
stark verunsichert werden. Dieser Symptomverzicht ist jedoch unerlässlich.
In einem Therapievertrag werden die Bedingungen und Grenzen der
ersten Therapiephase genau festgelegt. Täglich findet ein
therapeutisches Einzelgespräch statt, andere Bereiche wie
Spaziergänge, Besuche, Teilnahme an Veranstaltungen etc.
kommen schrittweise dazu.
Der weitere Ablauf der Behandlung ähnelt nun dem bei Bulimie.
Familiengespräche
Bei jugendlichen Magersüchtigen, die noch im Elternhaus leben,
ist die Bereitschaft der Familie, an Familiengesprächen teilzunehmen,
Teil einer guten Prognose. An der Klinik besteht die Möglichkeit
zur ergänzenden Familientherapie auf systemischer Grundlage.
Bei Bedarf besteht auch die Möglichkeit, die Gespräche
nach der Entlassung im Rahmen unserer Ambulanz weiterzuführen.
Bulimie (Essbrechsucht) und Binge-Eating
(Essattacken)
In der ersten Phase nach der Aufnahme unterstützt ein stark
strukturierendes, auf den Umgang mit dem Essen bezogenes Konzept
die Entwicklung der Symptomabstinenz. Durch das 'abstinente Essen'
mit Unterstützung durch einen 'Sponsor' und ev. tägliche
Essbegleitung beim Mittagessen durch eine Krankenschwester wird
die Nahrungsaufnahme genau geregelt.
Im Anschluss an das Mittagessen erfolgt in der ersten Therapiephase
eine sogenannte „Nachruhe-Phase", in der die Patienten
zusammen mit einer Krankenschwester für 30 Minuten ausruhen,
entspannen und auf diese Weise erleben können, dass ein „Behalten"
der Nahrung auch angenehme Gefühle auslösen kann.
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In einem Rahmen-Therapievertrag,
der allen bulimischen Patienten vorgelegt wird, werden die einzelnen
Schritte festgelegt und individuelle Absprachen fixiert. Dazu
zählt z.B. die Festlegung eines Basisgewichts, das die untere
Grenze Körpergewichtes für die stationäre Zeit
anzeigt. Des weiteren werden Regelungen für einen möglichen
Krisenfall vorsorglich fixiert.
Viele Bulimikerinnen sind freudig überrascht, wie
leicht es ihnen unter diesen strukturierenden stationären
Bedingungen fällt, auf Ess- und Brechanfälle
zu verzichten und verwechseln dann nicht selten diesen ersten
Schritt mit ihrer Gesundung. Daher ist es sehr wichtig, diese
hilfreiche Strukturierung nach einigen Wochen schrittweise wieder
abzubauen.
Das 'freie Essen' und der Umgang mit den gefürchteten 'Dickmachern'
und Essanfall-induzierenden Nahrungsmitteln stehen nun auf dem
Programm. Diese Phase ist oft mit vermehrten Rückfällen
verbunden, was bei den Patientinnen dann die Angst auslösen
kann, die Therapie sei nutzlos gewesen, da sie sich wieder in
der gleichen Dynamik wie vor der Therapie erleben.
Das Erlernen eines sinnvollen Umgehens mit den Rückfällen
ist daher nun das Hauptthema und hat insgesamt eine zentrale Bedeutung
für die Prognose nach Beendigung des stationären Aufenthaltes.
Auch hier gibt es neben der Bearbeitung in der Gruppentherapie
strukturierte Hilfsangebote.
In der Entlassphase wird die Therapiestruktur weiter aufgelockert,
Selbstbestimmung steht nun im Vordergrund. Hauptthemen sind nun
die Vorbereitung auf die Zeit nach der Entlassung, Regelung von
Problemen am Heimatort, Familien- oder Partnergespräche,
Heimfahrten, Abschied von der Klinik und den hier wichtig gewordenen
Menschen, Suchen von ambulanten Unterstützungsangeboten.
Esssucht bzw. psychogenes Übergewicht
Wir gehen davon aus, dass spezielle Abnahmediäten den Zunahmezyklus
nur weiter ankurbeln, da sie einschränkend und lustfeindlich
sind. Sie funktionieren daher nur solange sie eingehalten werden
und enden mit einer entsprechenden Gegenreaktion und einer erneuten
Gewichtszunahme.
Übergewichtige lernen daher bei uns vor allem, wieder „normal"
zu essen - zunächst strukturiert, dann zunehmend in einem
freieren Rahmen. Im psychotherapeutischen Bereich liegt der Fokus
oft in der Beziehung, z.B. bei dem, was man sich mit dem Körperpanzer
vom Leibe hält, wozu man ihn braucht und durch was man ihn
verzichtbar machen könnte.

Der Weg über den Schlossgraben
im Winter. |